Steuertipps für privat betriebene Solaranlagen

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Wussten Sie, dass Sie mit dem Verkauf von selbst erzeugtem Strom zum Unternehmer werden? Bei Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage müssen Sie im Hinblick auf die steuerliche Behandlung einige Entscheidungen treffen. Diese haben u.a. Einfluss darauf, wann sich Ihre PV-Anlage amortisiert.

Wenn Sie eine Photovoltaikanlage betreiben, die regelmäßig Strom ins öffentliche Netz einspeist, gilt das als gewerbliche Tätigkeit. Grundsätzlich sind Sie damit verpflichtet, sich beim Finanzamt anzumelden und auf den verkauften Strom die Umsatzsteuer zu zahlen.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen, die von der Umsatzsteuerpflicht befreit („Photovoltaik ohne Steuer“). Welche der beiden Optionen – mit oder ohne Zahlung der Umsatzsteuer – günstiger ist, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Ganz allgemein lässt sich formulieren, dass der steuerliche Aufwand bei der Kleinunternehmerregelung am geringsten ist. Allerdings entgeht Ihnen als Betreiber der PV-Anlage die Möglichkeit, z. B. Einkaufspreis und Betriebskosten steuerlich geltend zu machen.

Themen:
Befreiung von der Umsatzsteuer (Kleinunternehmerregelung) + Regelbesteuerung: Steuervorteile nach Kauf und im Betrieb + Alternative: Teilweise unternehmerische Nutzung der PV-Anlage + Ertragssteuer auf Photovoltaikanlagen + Tatsächliche Gewinnermittlung + Kauf einer Immobilie mit PV-Anlage

 

Information Gewerbeanmeldung

Muss ich ein Gewerbe anmelden?

Die Einspeisung von Strom ins öffentliche Netz ist strenggenommen eine gewerbliche Tätigkeit. Wer nur seine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach betreibt, gilt jedoch im ordnungsrechtlichen Sinn meist nicht als Gewerbetreibender. Im Zweifelsfalle, z. B. bei einer größeren PV-Anlage, sollten Sie bei der Gemeinde nachfragen, ob eine Gewerbeanmeldung vonnöten ist. Eine Gewerbesteuer wird übrigens erst ab einem jährlichen Überschuss von 24.500 Euro fällig.
Die mit der Gewerbeanmeldung einhergehende Pflichtmitgliedschaft in der IHK sollte niemanden schrecken, im Gegenteil. Betreiber kleiner PV-Anlagen müssen keine Beiträge zahlen, können aber trotzdem die Leistungen der IHK in Anspruch nehmen.

Befreiung von der Umsatzsteuer (Kleinunternehmerregelung)

Einnahmen unterliegen grundsätzlich der Umsatzsteuer, so auch der Verkauf von Strom im Zuge der Einspeisung. Eine Befreiung von der Steuerpflicht ist möglich, wenn Sie als Betreiber im Jahr der Inbetriebnahme nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz generieren. In den darauffolgenden Jahren liegt die Grenze dann sogar bei 50.000 Euro. Private Solaranlagen werden diese Grenze in der Regel nicht überschreiten.

Die gesetzliche Basis für die Befreiung von der Steuerpflicht ist die Kleinunternehmerregelung nach Paragraph 19 des Umsatzsteuergesetzes. Um diese in Anspruch zu nehmen, müssen Sie auf dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, den Sie vom Finanzamt bei Anmeldung der Anlage geschickt bekommen, das entsprechende Feld ankreuzen. Melden Sie sich nicht innerhalb eines halben Jahres nach Inbetriebnahme der PV-Anlage beim Finanzamt, so nimmt die Steuerbehörde automatisch an, dass Sie Kleinunternehmer sind. Sie können dann keinen Vorsteuerabzug mehr geltend machen.

Gerade bei kleinen, kostengünstigen Anlagen lohnt ein Vorsteuerabzug wirtschaftlich kaum. Dazu kommen der höhere organisatorische Aufwand und die notwendige Begleitung durch einen Steuerberater.

Beachten Sie: Das Finanzamt betrachtet Sie als Steuerperson. D. h., die Umsätze aus einer selbstständigen Tätigkeit, Renten oder andere Einnahmen werden mit denen aus dem Stromverkauf zusammen betrachtet. Überschreitet die Summe den Freibetrag von 17.500 Euro, können Sie die Kleinunternehmerregelung nicht mehr in Anspruch nehmen.

gemeinschaftlicher Betrieb einer Photovoltaikanlage

Gemeinschaftlicher Betrieb einer Pv-Anlage

Betreiben Sie eine PV-Anlage mit anderen Personen wie Ihrem Ehegatten, Verwandten oder Freunden, entsteht eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. Die GbR, die eine eigene Steuernummer erhält, muss für die gemeinschaftlich erzielten Einkünfte eine Steuererklärung abgeben.

Regelbesteuerung: Steuervorteile nach Kauf und im Betrieb

Entscheiden Sie sich für die Regelbesteuerung, können Sie die beim Kauf der Solaranlage fällige Umsatzsteuer geltend machen. Das Gleiche gilt für die Umsatzsteuer, die auf Leistungen wie Wartung oder Unterhalt anfällt.

Im Gegenzug müssen Sie die Umsatzsteuer, die Sie für die Einspeisung von Solarstrom erhalten, an das Finanzamt weiterreichen. Was die wenigsten wissen: Die im EEG festgelegte Einspeisevergütung ist ein Nettowert, der Netzversorger zahlt Ihnen die Vergütung plus 19 % Umsatzsteuer. Dieser Posten wird dann gegen die von Ihnen gezahlte Umsatzsteuer für Kauf, Wartung etc. verrechnet. Dazu müssen Sie in den ersten beiden Jahren eine monatliche Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einreichen und einmal im Jahr Ihre Umsatzsteuererklärung machen. In den Folgejahren entfällt die Voranmeldung.

Betreiber von Photovoltaikanlagen, die den Vorsteuerabzug wählen, müssen mindestens fünf volle Kalenderjahre die Umsatzsteuer zahlen. Danach ist der Wechsel zur Kleinunternehmerregelung möglich und auch sinnvoll. Bei In-Dach-Anlagen, die als Teil des Gebäudes betrachtet werden, beträgt die Wartepflicht elf Jahre.

Wird die Vorsteuererstattung in Anspruch genommen, muss auch der Eigenverbrauch in die steuerliche Betrachtung einbezogen werden. Bei der Nutzung des selbst erzeugten Stroms handelt es sich um eine „Entnahme von Betriebsvermögen bzw. Betriebsmitteln für private Zwecke“, auf die ebenfalls die Umsatzsteuer zu entrichten ist. Die gesetzliche Regelung sieht dabei vor, dass die 19 Prozent nicht auf die eigenen Gestehungskosten (Kosten für die Erzeugung des Solarstroms) sondern auf den Einkaufspreis für den Netzstrom zu zahlen sind.

Alternative: Teilweise unternehmerische Nutzung der PV-Anlage

Als Alternative zu den beiden genannten Varianten – Kleinunternehmerregelung und Vorsteuerabzug – besteht die Möglichkeit, auf einen teilweisen Vorsteuerabzug zu optieren. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein wesentlicher Teil des Stroms selbst verbraucht wird. Versteuert wird dann nur noch der „unternehmerische Anteil“ für die Einspeisung. D. h. dann im Umkehrschluss, dass die gezahlte Umsatzsteuer für Kauf und Betrieb auch nur anteilig erstattet wird. Wird nur der unternehmerische Anteil versteuert, entfällt die Pflicht zur Zahlung der Umsatzsteuer für den selbstverbrauchten Strom. Liegt der Eigenverbrauch aber über dem ursprünglich angenommenen Anteil, muss die Differenz versteuert werden.

Ertragssteuer auf Photovoltaikanlagen

Anders als bei der Umsatzsteuer besteht bei der Ertragssteuer – genauer gesagt bei der Einkommenssteuer aus selbstständiger Tätigkeit – keine Wahlmöglichkeit. Die entscheidende Frage hier ist, ob es sich bei Ihrer Photovoltaikanlage steuerlich um eine „Liebhaberei“ handelt oder ob eine Gewinnerzielungsabsicht besteht. Im letzteren Fall ist eine Ertragssteuer zu zahlen.

Um dem Finanzamt nachzuweisen, dass keine Gewinnerzielungsabsicht besteht, muss diesem eine Wirtschaftlichkeitsprognose über den Abschreibungszeitraum vorgelegt werden. Bei der Photovoltaikanlage als bewegliches Wirtschaftsgut beträgt dieser Abschreibungszeitraum 20 Jahre, d. h. jedes Jahr können 5 % des Anlagenpreises abgeschrieben werden.

Als Ausgaben fallen ins Gewicht:

  • Investitionskosten der Photovoltaikanlage
  • Kosten für Betrieb, Wartung, Reparatur, Versicherung etc. (schwankend)
  • Kredittilgungsraten

Einnahmen ergeben sich aus

  • Einspeisevergütung (fester Preis pro kWh für 20 Jahre)
  • Eigenverbrauch *
steuerliche Betrachtung des Eigenverbrauchs

* Steuerliche Betrachtung des Eigenverbrauchs

Der Eigenverbrauch wird steuerlich als Einnahme zu den sogenannten Selbstkosten bewertet. Diese errechnen sich aus der Summe von Abschreibungskosten und Betriebskosten, geteilt durch die Anzahl der erzeugten kWh. Alternativ kann auch eine Pauschale angenommen werden bzw. ein „Wiederbeschaffungswert“, der den Stromkosten entspricht, die der Netzbetreiber verlangt. Wurde Photovoltaikanlage vor dem 31. März 2012 in Betrieb genommen, wird keine Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch fällig.

Wie die Wirtschaftlichkeitsberechnung ausfällt, ist wesentlich vom Anlagenertrag pro Jahr abhängig, sowie davon, welchen Anteil Einspeisung und Eigenverbrauch am erzeugten Strom haben. Alle diese Größen lassen sich bei Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage nur schätzen und können im Laufe der Zeit deutlich schwanken. Das Finanzamt prüft deshalb weniger die konkreten Zahlen der Berechnung, sondern die Plausibilität der Abschätzung.

Beeinflusst wird die Wirtschaftlichkeitsprognose auch von der Entscheidung zur Umsatzsteuer. Bei der Wahl der Kleinunternehmerregelung schmälern die Mehrwertsteuerbeträge für Kauf und Betrieb das Ergebnis, da sie als Kosten eingepreist werden.

Ergibt die Wirtschaftlichkeitsprognose einen Überschuss, geht das Finanzamt von einer Gewinnerzielungsabsicht aus, anderenfalls wird die PV-Anlage als „Liebhaberei“ bewertet.

Beachten Sie bitte, dass es sich bei der Wirtschaftlichkeitsprognose ausschließlich um eine steuerliche Abschätzung handelt. Tatsächlich lohnt sich die Investition in eine Photovoltaikanlage für Sie, denn Sie sparen die Differenz zwischen dem Preis des Netzstroms und den Gestehungskosten, zu denen Sie Ihren eigenen PV-Strom herstellen. Diese Ersparnis liegt bei ca. 20 Cent / kWh.

 

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Tatsächliche Gewinnermittlung

Besteht die Pflicht zur Einkommenssteuererklärung wird der tatsächliche Gewinn der PV-Anlage analog zur Prognose über eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt. Neben der linearen Abschreibung (5 % pro Jahr) haben Sie innerhalb der ersten fünf Jahre die Möglichkeit zu einer 20-prozentigen Sonderabschreibung. Diese können Sie einmalig wahrnehmen, z. B. wenn Sie in einem Jahr besonders hohe Einkünfte haben. In den meisten Fällen wird es jedoch günstiger sein, die Sonderabschreibung gleichmäßig über die fünf Jahre zu verteilen, um die optimale Steuerersparnis zu erreichen. Nach Ablauf der fünf Jahre wird der Restbetrag wieder linear abgeschrieben.

Erhalten Sie eine staatliche Förderung für den Kauf der PV-Anlage, erfassen Sie diese als Betriebseinnahme. Alternativ haben Sie die Möglichkeit, den Kaufpreis um die Fördersumme zu reduzieren und dann den geminderten Betrag abzuschreiben.

Bitte beachten Sie: Eine Abschreibung des Batteriespeichers ist nur dann möglich, wenn er gleichzeitig mit der PV-Anlage erworben wurde. Bei einer Nachrüstung kann die Umsatzsteuer auf den Kauf des Batteriespeichers nicht geltend gemacht werden.

Ermitteln Sie bei Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung einen Gewinn bedeutet das übrigens nicht zwangsläufig, dass Sie Einkommenssteuer zahlen müssen. Die Steuer wird (Stand 2018) erst ab 9.000 Euro bei Ledigen sowie ab 18.000 Euro bei Lebenspartnerschaften und Verheiraten fällig. Betrachtet werden müssen jedoch alle Einkünfte aus selbständiger Arbeit.

Kauf einer Immobilie mit PV-Anlage

Befindet sich auf einer gekauften Immobilie bereits eine PV-Anlage, muss unterschieden werden, ob es sich um eine Auf-Dach- oder eine In-Dach-Anlage handelt. Bei einer Auf-Dach-Anlage fällt keine Grunderwerbssteuer auf den Kaufpreis der Anlage an. In-Dach-Anlagen zählen als Teil des Gebäudes und sind somit steuerpflichtig.

 

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