Photovoltaik Steuer: So läuft es bei der PV-Anlage

Wer Strom ins Netz einspeist und die Einspeisevergütung dafür bekommt, muss in der Regel Steuern auf diese Einnahme bezahlen. Im Zusammenhang mit einer Photovoltaikanlage kann neben der Umsatzsteuer außerdem die Ertragssteuer fällig werden.
Inhaltsverzeichnis
Lesezeit ca.
    Angebot

    Machen Sie den ersten Schritt

    Erfahren Sie was eine Solaranlage auf Ihrem Dach leistet. Fordern Sie heute ein kostenloses und unverbindliches Angebot von einem Solarwatt Partner an.
    Angebot anfragen
    Steuern

    Steuern für privat betriebene Solaranlagen

    Wussten Sie, dass Sie mit dem Verkauf von selbst erzeugtem Strom zum Unternehmer werden? Bei Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage müssen Sie im Hinblick auf die steuerliche Behandlung wichtige Entscheidungen treffen. Diese haben u.a. Einfluss darauf, wann sich Ihre PV-Anlage refinanziert. 

    Wenn Sie eine Photovoltaikanlage betreiben, die Strom ins öffentliche Netz einspeist und Sie Erlöse für den verkauften Strom erhalten, gilt das als gewerbliche Tätigkeit. Damit sind Sie verpflichtet, sich beim Finanzamt anzumelden und auf ihren selbst produzierten Strom Umsatz- sowie Ertragssteuer zu entrichten.

    Es gibt jedoch Möglichkeiten die steuerlichen Verpflichtungen zu reduzieren. Zum einen können Sie sich durch die Kleinunternehmerregelung von der Zahlung von Umsatzsteuern befreien lassen. Zum anderen können sich Anlagenbetreiber mit Anlagen bis 10 kWp auch von der Zahlung von Ertragssteuern freistellen lassen. 

    Ob das für Sie von Vorteil ist, hängt von Ihren persönlichen Rahmenbedingungen ab. Die Abwägung von Aufwand und steuerlichem Einsparpotenzial müssen Sie jedoch selbst treffen. Um die richtige Entscheidung zu treffen, sollten Sie sich professionelle Unterstützung holen. Im Rahmen unseres SOLARWATT Certified Steuerservice empfehlen wir Ihnen einen Steuerberater aus unserem Netzwerk, von dessen technischem Fachwissen wir uns überzeugt haben.

    Aktuelle Änderungen beim Thema Photovoltaik und Steuern:

    Seit Mitte 2021 besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, sich gegen die Veranlagung zur Einkommenssteuer zu entscheiden. Dafür ist nur ein formloser Antrag beim Finanzamt zu stellen.

    Photovoltaik und Steuern
    Regelbesteuerung

    Regelbesteuerung: Vorsteuer für Kauf und Betrieb geltend machen

    Entscheiden Sie sich für die Regelbesteuerung, können Sie die beim Kauf der Solaranlage fällige Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen. Das Gleiche gilt für die Umsatzsteuer, die auf Leistungen wie Wartung oder Unterhalt anfällt.

    Im Gegenzug müssen Sie jedoch Umsatzsteuer auf den selbst verbrauchten Solarstrom entrichten. Bei diesem Eigenverbrauch handelt es sich steuerrechtlich um eine „Entnahme von Unternehmensvermögen bzw. Betriebsmitteln für private Zwecke“, auf die ebenfalls die Umsatzsteuer zu entrichten ist. Die Bezugsgröße für die Umsatzsteuer (19 %) kann nach einem von drei Verfahren ermittelt werden:

    • Pauschaler Ansatz
    • Wiederbeschaffungswert ansetzen
    • Herstellungskosten ansetzen

    Wurde die Photovoltaikanlage vor dem 31. März 2012 in Betrieb genommen, wird keine Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch fällig.

    Was die wenigsten wissen: Die im EEG festgelegte Einspeisevergütung ist ein Nettowert, der Netzversorger zahlt Ihnen die Vergütung plus 19 % Umsatzsteuer. Dieser Posten wird dann gegen die von Ihnen gezahlte Umsatzsteuer für Kauf der PV-Anlage, Wartung etc. verrechnet. Dazu müssen Sie in den ersten beiden Jahren eine monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldung beim Finanzamt einreichen und einmal im Jahr Ihre Umsatzsteuererklärung machen.

    Betreiber von Photovoltaikanlagen, die sich für die Regelbesteuerung entscheiden, müssen mindestens fünf volle Kalenderjahre die Umsatzsteuer zahlen. Danach ist der Wechsel zur Kleinunternehmerregelung möglich. Bei In-Dach-Anlagen, die als Teil des Gebäudes betrachtet werden, beträgt die Wartepflicht elf Jahre.

    Kleinunternehmerregelung

    Befreiung von der Umsatzsteuer

    Eine Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht ist möglich, wenn Sie als Betreiber im Jahr der Inbetriebnahme nicht mehr als 22.000 Euro Umsatz erwirtschaften. In den darauffolgenden Jahren liegt die Grenze dann sogar bei 50.000 Euro. Private Solaranlagen werden diese Grenze in der Regel nicht überschreiten.

    Die gesetzliche Basis für die Befreiung von der Steuerpflicht ist die Kleinunternehmerregelung nach Paragraph 19 des Umsatzsteuergesetzes. Um diese in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie auf dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, den Sie vom Finanzamt bei Anmeldung der Anlage geschickt bekommen, das entsprechende Feld ankreuzen. Melden Sie sich nicht innerhalb eines halben Jahres nach Inbetriebnahme der PV-Anlage beim Finanzamt, so nimmt die Steuerbehörde automatisch an, dass Sie Kleinunternehmer sind. Sie können dann keinen Vorsteuerabzug mehr geltend machen.

    Bitte beachten Sie: Das Finanzamt betrachtet Sie als Steuerperson. D. h., die Umsätze aus einer selbstständigen Tätigkeit oder auch weiteren Einnahmen werden zusammen betrachtet. Überschreitet die Summe den Freibetrag von 22.000 Euro, können Sie die Kleinunternehmerregelung nicht mehr in Anspruch nehmen.

    Gemeinschaftlicher Betrieb einer PV-Anlage

    Betreiben Sie eine PV-Anlage mit anderen Personen wie Ihrem Ehepartner, mit Verwandten oder Freunden, entsteht eine Bruchteilsgemeinschaft oder eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. Die GbR, die eine eigene Steuernummer erhält, muss für die gemeinschaftlich erzielten Einkünfte eine Steuererklärung abgeben.

    Solarmodule

    Leistungsstark, robust und langlebig: Mit den Modulen von Solarwatt erzeugen Sie Ihren Solarstrom selbst.
    Angebot einholen

    Stromspeicher

    Mit der Battery flex nutzen Sie Ihren Solarstrom, wenn Sie ihn benötigen. Auch wenn die Sonne nicht scheint.
    Angebot einholen

    Manager

    Machen Sie das Beste aus Ihrem Solarstrom mit dem intelligenten Energiemanagement von Solarwatt.
    Angebot einholen
    Alternative

    Teilweise unternehmerische Nutzung der PV-Anlage

    Als Alternative zu den beiden genannten Varianten – Regelbesteuerung und Kleinunternehmerregelung – besteht die Möglichkeit, auf einen teilweisen Vorsteuerabzug zu optieren. Versteuert wird dann nur noch der „unternehmerische Anteil“ für die Einspeisung. D. h. dann im Umkehrschluss, dass die gezahlte Umsatzsteuer für Kauf und Betrieb auch nur anteilig erstattet wird. Wird nur der unternehmerische Anteil versteuert, entfällt die Pflicht zur Zahlung der Umsatzsteuer für selbstverbrauchten Strom. Liegt der Eigenverbrauch aber über dem ursprünglich angenommenen Anteil, muss die Differenz versteuert werden.

    Gewerbesteuer

    Muss ein Gewerbe angemeldet und Gewerbesteuer gezahlt werden?

    Die Einspeisung von Strom ins öffentliche Netz ist strenggenommen eine gewerbliche Tätigkeit. Wer nur seine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach betreibt, gilt jedoch im ordnungsrechtlichen Sinn meist nicht als Gewerbetreibender. 

    Im Zweifelsfalle, z. B. bei einer größeren PV-Anlage, sollten Sie bei der Gemeinde nachfragen, ob eine Gewerbeanmeldung vonnöten ist. Eine Gewerbesteuer wird übrigens erst ab einem jährlichen Überschuss von 24.500 Euro fällig.

    Die mit der Gewerbeanmeldung einhergehende Pflichtmitgliedschaft in der IHK sollte niemanden schrecken, im Gegenteil. Betreiber kleiner PV-Anlagen müssen keine Beiträge zahlen, können aber trotzdem die Leistungen der IHK in Anspruch nehmen.

    Ertragssteuer

    Ertragssteuer auf Photovoltaikanlagen

    Anders als bei der Umsatzsteuer bestand bei der Ertragssteuer – genauer gesagt bei der Einkommenssteuer aus selbstständiger Tätigkeit – lange keine Wahlmöglichkeit. Seit Juni 2021 hat sich das geändert. Betreibern von PV-Anlagen bis 10 kWp auf einem selbst bewohnten Gebäude wird die Möglichkeit eingeräumt, sich auch bei der Einkommensteuer gegen eine Veranlagung zu entscheiden. Um in den Genuss der Befreiung zu kommen, ist nur ein schriftlicher formloser Antrag zum „Verzicht auf die einkommenssteuerliche Behandlung der PV-Anlage“ beim zuständigen Finanzamt zu stellen. Mit der EEG-Novelle 2023 sollen auch Betreiber von PV-Anlagen bis 30 kWp in den Genuss dieser Regelung kommen. 

    Für alle anderen Photovoltaikanlagen entscheidet weiterhin das Finanzamt, ob eine Gewinnerzielungsabsicht besteht oder ob es sich steuerlich um „Liebhaberei“ handelt. 

    Um dem Finanzamt nachzuweisen, dass keine Gewinnerzielungsabsicht besteht, muss dann eine Wirtschaftlichkeitsprognose über den Abschreibungszeitraum vorgelegt werden. Bei der Photovoltaikanlage als beweglichem Wirtschaftsgut beträgt dieser Abschreibungszeitraum 20 Jahre, d. h. jedes Jahr können 5 % des Anlagenpreises abgeschrieben werden.

    Als Ausgaben fallen ins Gewicht:

    • Investitionskosten für die Photovoltaikanlage
    • Kosten für Betrieb, Wartung, Reparatur, Versicherung etc. (schwankend)
    • Kredittilgungsraten

    Einnahmen ergeben sich aus

    Photovoltaik ohne Finanzamt

    Wird die Kleinunternehmerregelung (Umsatzsteuer) und die Befreiung von der Ertragsteuer gewählt, spricht man umgangssprachlich von einer "Photovoltaik ohne Finanzamt". Diese Option reduziert den bürokratischen Aufwand enorm, jedoch muss im Einzelfall geprüft werden, ob sich die Entscheidung auch finanziell lohnt. Bei Anlagen bis 10 kWp ist es auf jeden Fall sinnvoll, einen Antrag auf Befreiung von der Ertragsteuer zu stellen.

    Steuern auf PV-Anlage

    Plausible Wirtschaftlichkeitsprognose

    Wie die Wirtschaftlichkeitsberechnung ausfällt, ist wesentlich vom jährlichen Ertrag der Anlage abhängig, sowie davon, welchen Anteil Einspeisung und Eigenverbrauch am erzeugten Strom haben. 

    Alle diese Größen lassen sich bei Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage nur schätzen und können im Laufe der Zeit deutlich schwanken. Das Finanzamt prüft deshalb weniger die konkreten Zahlen der Berechnung, sondern die Plausibilität der Abschätzung.

    Ergibt die Wirtschaftlichkeitsprognose einen Überschuss, geht das Finanzamt von einer Gewinnerzielungsabsicht aus, anderenfalls wird die PV-Anlage als „Liebhaberei“ bewertet.

    Eigenverbrauch als Einnahme

    Der Eigenverbrauch wird steuerlich als Einnahme zu den sogenannten Selbstkosten bewertet. Diese errechnen sich aus der Summe von Abschreibungskosten und Betriebskosten, geteilt durch die Anzahl der erzeugten kWh. Alternativ kann auch eine Pauschale angenommen werden bzw. ein „Wiederbeschaffungswert“, der den Stromkosten entspricht, die der lokale Stromversorger verlangt. 

    Einnahmen-Überschuss-Rechnung

    Tatsächliche Gewinnermittlung

    Besteht die Pflicht zur Einkommenssteuererklärung, wird der tatsächliche Gewinn der PV-Anlage analog zur Prognose über eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt. 

    Neben der linearen Abschreibung (5 % pro Jahr) haben Sie innerhalb der ersten fünf Jahre die Möglichkeit zu einer 20-prozentigen Sonderabschreibung. Diese können Sie einmalig wahrnehmen, z. B. wenn Sie in einem Jahr besonders hohe Einkünfte haben. In den meisten Fällen wird es jedoch günstiger sein, die Sonderabschreibung gleichmäßig über die fünf Jahre zu verteilen, um die optimale Steuerersparnis zu erreichen. Nach Ablauf der fünf Jahre wird der Restbetrag wieder linear abgeschrieben.

    Erhalten Sie eine staatliche Förderung für den Kauf der PV-Anlage, erfassen Sie diese als Betriebseinnahme. Alternativ haben Sie die Möglichkeit, den Kaufpreis um die Fördersumme zu reduzieren und dann den geminderten Betrag abzuschreiben.

    Bitte beachten Sie: Eine Abschreibung des Stromspeichers ist nur dann möglich, wenn er gleichzeitig mit der PV-Anlage erworben wurde. Bei einer Nachrüstung kann die Umsatzsteuer auf den Kauf des Stromspeichers nicht geltend gemacht werden.

    Ermitteln Sie bei Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung einen Gewinn bedeutet das übrigens nicht zwangsläufig, dass Sie Einkommenssteuer zahlen müssen. Die Steuer wird erst ab 9.744 Euro bei Ledigen sowie ab 19.488 Euro bei Lebenspartnerschaften und Verheirateten fällig (Stand 2021). Betrachtet werden müssen jedoch alle Einkünfte aus selbständiger Arbeit.

    Immobilie mit PV-Anlage

    Kauf einer Immobilie mit Photovoltaikanlage

    Befindet sich auf einer gekauften Immobilie bereits eine PV-Anlage, muss unterschieden werden, ob es sich um eine Auf-Dach- oder eine In-Dach-Anlage handelt. Bei einer Auf-Dach-Anlage fällt keine Grunderwerbssteuer auf den Kaufpreis der Anlage an. In-Dach-Anlagen zählen als Teil des Gebäudes und sind somit steuerpflichtig.

    FAQs

    Ist Eigenverbrauch von Photovoltaik steuerpflichtig?

    Ja. Allerdings nur, wenn die Anlage größer als 30 kWp ist oder der Verbrauch über 30.000 kWh pro Jahr liegt.

    Wann muss ich die Photovoltaikanlage beim Finanzamt anmelden?

    Egal für welche Besteuerung Sie sich entscheiden, die PV-Anlage muss immer beim Finanzamt angemeldet werden.

    Wann lohnt sich eine PV-Anlage mit Speicher?

    Die Aus- oder Nachrüstung mit einem Speicher lohnt sich eigentlich immer, wenn nur ein geringer Anteil des selbstproduzierten Solarstrom selbst verbraucht wird.

    Werden Photovoltaikanlage und Speicher gleichzeitig gekauft, gelten sie als „einheitliches Zuordnungsobjekt“, sprich als Gesamtanlage. Die Vorsteuer für den Batteriespeicher kann daher erstattet werden.

    Hinsichtlich der Ertragssteuer gilt: Bei DC-seitigem Einbau, werden die Anschaffungskosten der PV-Anlage zugeordnet und können zusammen mit dieser über 20 Jahre abgeschrieben werden. Bei AC-seitigem Einbau ist die Abschreibung nur möglich, wenn der Speicher unternehmerisch genutzt wird.

    Wie hoch ist die EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch?

    Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch liegt bei einem Verbrauch unter 30.000 kWh im Jahr bei 40 % der regulären Umlage. 2021 waren das 2,6 Cent pro kWh, 2022 sind es nur noch 1,48 Cent pro kWh.

    Wann lohnt sich die Kleinunternehmerregelung bei Photovoltaik?

    Finanziell lohnt sich der Verzicht auf die Regelbesteuerung im Allgemeinen nicht. Allerdings steht gerade bei geringen Einspeisemengen und damit Einnahmen der bürokratische Aufwand in keinem Verhältnis zum ökonomischen Nutzen, weshalb die Betreiber von PV-Anlagen auf die Möglichkeit verzichten, sich gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückzuholen.

    Wie wird der Eigenverbrauch ermittelt?

    Der Eigenverbrauch wird errechnet, indem von der mit der PV-Anlage erzeugten Strommenge, die ins Netz eingespeiste Menge abgezogen wird. 

    Wie wird eine Photovoltaikanlage abgeschrieben?

    Die Anschaffungskosten für eine PV-Anlage können nach AfA (Absetzung für Abnutzung) über 20 Jahre abgeschrieben werden. Für die Aschreibung muss die Anlage jedoch zu mindestens 50 % gewerblich genutzt werden.