Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) für PV-Module

Ohne abZ dürfen Solarmodule in der Regel nicht für Überkopf-Installationen verbaut werden. Allerdings gibt es auch viele Architekten, Planer und Bauherren, die das nicht wissen.
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20.12.2022
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    Hohe Energiepreise und gesetzliche Vorgaben wie die Solardachpflicht sorgen dafür, dass bei immer mehr Bauvorhaben Photovoltaik integriert wird. Zunehmend werden für die Solarstrom-Gewinnung nicht nur die üblichen Dachflächen mit Modulen belegt. Photovoltaik kommt auch bei Fassadenanlagen oder als Überdachung größerer Carports oder ganzer Parkflächen zum Einsatz. Allerdings entsprechen die verwendeten PV-Module dabei nicht immer den gesetzlichen Anforderungen. 

    Module, die dort eingesetzt werden, wo sie herabfallen und Personen verletzen oder großen Sachschaden anrichten können, müssen einen bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis als Bauprodukt besitzen. Die Ausführung z.B. einer Überkopf-Installation ohne zugelassenes Produkt stellt laut der durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) herausgegebene Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) Teil B 3.2.1.27 und laut § 17 Abs. 1 Musterbauordnung ein gravierendes Risiko für die Sicherheit dar. Im Falle einer bauaufsichtlichen Kontrolle kann sich das Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Bauherren richten, der Schadensansprüche gegen das Planungsbüro oder gegen das ausführende Unternehmen geltend machen kann. 

    Für nicht geregelte Bauprodukte wird eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) gefordert. 

    Module mit aBZ bei Mobilitätsstation

    Was sind geregelte und nicht geregelte Bauprodukte?

    Die Landesbauordnungen der Bundesländer definieren die allgemeinen Anforderungen an bauliche Anlagen. Zudem regeln sie das Zulassungs- und Genehmigungsverfahren für Bauprodukte und Bauarten. Die allgemein definierten Anforderungen an bauliche Anlagen werden durch Technische Baubestimmungen konkretisiert. Diese orientieren sich an der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) und konkretisieren die Anforderungen der jeweiligen Landesbauordnungen, indem sie auf allgemeingültige Technische Regeln verweisen und zusätzliche Anwendungsregeln beschreiben. 

    Als „geregelt“ gelten Bauprodukte, die das CE-Kennzeichen tragen oder deren Eigenschaften und Verwendbarkeit bereits in Normen oder ähnlichen allgemein anerkannten Regeln der Technik beschrieben sind. Solche „geregelten“ Produkte haben sich in der Praxis bereits über einen längeren Zeitraum bewährt und gelten in der technischen Fachwelt als allgemein anerkannt. 

    Existieren für ein Bauprodukt z.B. aufgrund seiner Neuheit noch keine Technischen Baubestimmungen oder allgemein anerkannten Regeln der Technik oder weicht es von den Technischen Baubestimmungen deutlich ab, gilt es als nicht geregelt. Für diese nicht geregelten Bauprodukte verlangen alle deutschen Landesbauordnungen einen Verwendbarkeitsnachweis

    Was sind Verwendbarkeitsnachweise?

    Als Verwendbarkeitsnachweise für Bauprodukte gelten  

    • die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) 
    • das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis für das Bauprodukt (abP) und 
    • die Zustimmung im Einzelfall (ZiE) 

    Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ)  

    Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung ist ein Verwendungsnachweis, der auf Antrag des Herstellers oder Inverkehrbringers nach eingängiger Prüfung des Bauproduktes durch das DIBt ausgestellt wird. In der abZ werden die bauaufsichtlich relevanten Eigenschaften des Bauprodukts (Produktspezifikation), dessen Verwendungsbereiche sowie Verarbeitung, Transport, Lagerung, Kennzeichnung und Übereinstimmungsbestätigung geregelt. 

    Die zugehörige allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) regelt das Zusammenfügen der Bauprodukte zu baulichen Anlagen. Hier werden Aspekte der Planung, Bemessung und Ausführung sowie von Betrieb und Wartung festgehalten. 

    In der Regel werden abZ und aBG zusammen für die Dauer von fünf Jahren erteilt. Beide Verwendungsnachweise können aber auch einzeln beantragt werden.  

    Allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis für das Bauprodukt (abP) 

    Bauprodukte, deren Verwendung nicht der Erfüllung erheblicher Anforderungen an die Sicherheit baulicher Anlagen dient, oder die nach allgemein anerkannten Prüfverfahren beurteilt werden, bedürfen anstelle einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung nur eines allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses. Für die Erteilung allgemeiner bauaufsichtlicher Prüfzeugnisse sind ausschließlich die dafür vom DIBt oder einer obersten Bauaufsichtsbehörde anerkannten Prüfstellen zuständig. 

    Das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis wird mit der Angabe der maßgebenden technischen Regeln und, soweit es keine allgemein anerkannten Regeln der Technik gibt, mit der Bezeichnung der Bauprodukte in der Bauregelliste A bekannt gemacht. 

    Zustimmung im Einzelfall (ZiE) 

    Die Zustimmung im Einzelfall (ZiE) bzw. die vorhabenbezogene Bauartgenehmigung (vBG) wird nur für ein einzelnes Bauvorhaben erteilt. Vorliegende Prüfergebnisse und Nachweise können anerkannt werden, wenn sie weiterhin dem Stand der Technik entsprechen und für das neue Vorhaben von Belang sind. Art und Umfang der erforderlichen Nachweise sind jedoch stark abhängig vom Bauprodukt und der Bauart. Von den Bauaufsichtsbehörden der einzelnen Bundesländer werden dabei teilweise unterschiedliche Anforderungen gestellt. 

    Module mit aBZ für Tankstelle

    Photovoltaik und abZ

    Obwohl Photovoltaikmodule nun schon seit ca. 40 Jahren verbaut werden, gelten diese noch immer als nicht geregelte Bauprodukte. Sie benötigen daher beim sicherheitsrelevanten Verbau – zum Beispiel bei Überkopf-Konstruktionen – einen Verwendungsnachweis.  

    Die MVV TB ordnet PV-Module den technischen Gebäudeausrüstungen zu. Zwar tragen die Module eine CE-Kennzeichnung, aber nicht als Bauprodukt (nach Bau PVO), sondern ausschließlich als elektrisches Betriebsmittel. In Anbetracht des erfahrungsgemäß geringen Gefährdungspotenzials von PV-Anlagen im Dachbereich entfällt beispielsweise für PV-Module mit „mechanisch befestigten, gläsernen Deckflächen bis 2,0 m²“ sowie für PV-Module ohne Glas im Dachbereich der Nachweis der Standsicherheit. Nachweise zum Brandschutz können dennoch erforderlich sein. 

    Die meisten Photovoltaikmodule auf dem Markt sind keine zugelassenen Bauprodukte und verfügen auch nicht über einen Verwendbarkeitsnachweis. Sie dürfen deshalb in der Regel nur im Überkopf-Bereich eingesetzt werden, wenn eine Dachkonstruktion oder eine andere Barriere unter den Modulen vorhanden ist, die Schutz vor herabfallendem Glas bietet. Damit werden die Einsatzmöglichkeiten insbesondere transparenter Module deutlich eingeschränkt. Muss z.B. ein Trapezblechdach vorhanden sein, um die Module darauf installieren zu können, lassen sich viele architektonische Vorhaben nur noch schlecht umsetzen.  

    Selbstverständlich ist die Zustimmung im Einzelfall für anspruchsvolle PV-Konstruktionen immer möglich. Sollen aber mehrere ähnlich gelagerte Projekte durchgeführt werden, oder auch nur verschiedene Projekte mit immer den gleichen Modulen, lohnt es sich, eine abZ zu beantragen.  

    Den Antrag stellt der Hersteller oder Inverkehrbringer, der seine Module dann mit abZ anbieten kann. Die Verwender müssen sich dann nur noch an die Montage- und Betriebsbedingen halten, und der Verbau der Module ist rechtssicher. 

    Solarwatt hat für sein Modul Panel vision contruct eine abZ vom Deutschen Institut für Bautechnik erhalten, so dass die BIPV-Module ohne zusätzliche Absicherung und Freigabe auch im Überkopf-Bereich eingesetzt werden können.  

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    Sicherheitsverbundglas und Solarmodule 

    Für Terrassenüberdachungen, Oberlichter oder Vordächer wird gern Glas eingesetzt. Für diese Überkopf-Konstruktionen darf nur Verbundglas mit PVB (Poly-Vinyl-Butyral) eingesetzt werden. Glas-Glas-Module können als Verbundverglasung mit eingebetteten kristallinen Solarzellen verstanden werden, wobei die Folie die Eigenstabilität bei Glasbruch sichert. Allerdings besteht die Folie im Modul aus EVA (Ethyl-Vinyl-Azetat), weshalb hier ein Verwendungsnachweis erforderlich wird. Möglich ist auch eine zusätzliche Absicherung zum darunter liegenden Raum hin durch Drahtglas- oder Verbundglasscheiben, was jedoch zusätzliche Baukosten nach sich zieht und die Ästhetik beeinträchtigt.

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