Ökostrom

Ökostrom-Tarife erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch wie bei Bio-Siegeln lohnt es sich auch hier, genauer hinzuschauen.
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    Für Strom aus erneuerbaren Energien wird gern auch der Ausdruck Ökostrom verwendet. Die Bezeichnung legt nahe, dass der Strom nach ökologisch vertretbaren Kriterien erzeugt wurde. Allerdings ist der Begriff nicht geschützt und – wie bei den zahlreichen Biosiegeln im Lebensmittelhandel – versteht jeder Anbieter etwas anderes unter Ökostrom. 

    Definition

    Was ist Ökostrom?

    Anders als z.B. in Österreich gibt es in Deutschland keine verbindliche Definition, welcher Strom als Ökostrom bezeichnet werden darf. Meist wird das Label von Energieversorgern genutzt, die damit einen Tarif kennzeichnen, bei dem der Strom besonders umweltfreundlich erzeugt oder über den die Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen finanziert wird.  

    Für den Verbraucher ist nicht immer durchschaubar, ob der gekaufte Ökostrom wirklich so „öko“ bzw. „grün“ ist, wie die Energieversorger versprechen. Aber nicht nur, wer seinen Strom z.B. mit der PV-Anlage selbst produziert, kann sicher sein, wirklich Ökostrom zu bekommen: Verschiedene Siegel bescheinigen die mehr oder weniger saubere Erzeugung des Stroms.

    Ist es überhaupt sinnvoll, Ökostrom zu kaufen?

    Klar ist, dass jeder Kunde den Strom aus dem nächstgelegenen Kraftwerk bezieht, egal welchen Tarif gewählt wurde. Trotzdem ist es nicht sinnlos, auf Ökostrom zu setzen, denn die Entscheidung für saubere Energie stellt finanzielle Mittel für den Ausbau der Erneuerbaren bereit und beschleunigt so die Energiewende.

    Herkunft

    Ökostrom aus dem Ausland

    Im Jahr 2019 nutzten bereits 10 Millionen Haushalte und Gewerbetreibende einen Ökostromtarif (Quelle: Utopia.de). Zur gleichen Zeit waren ca. 8.000 Ökostromtarife im Angebot. Dass die nicht alle das Versprechen halten konnten, sauberen Strom zur Verfügung zu stellen, ist kaum verwunderlich.

    Ökostrom wird zu Graustrom

    In Deutschland wird zwar schon eine Menge Strom aus regenerativen Energien hergestellt, aber es ist gesetzlich verboten, den Strom, der durch die EEG-Förderung bereits vergütet wurde, noch einmal als Ökostrom zu vermarkten. Überschüssiger Strom aus Photovoltaikanlagen oder von geförderten Windkraftanlagen landet somit als anonymer Graustrom im Netz. In Summe bedeutet das, es gibt nicht genügend Ökostrom, um die Nutzer mit den entsprechenden Tarifen zu bedienen.

    Zukauf von Herkunftsnachweisen

    Den Stromanbietern bleibt nicht viel anderes übrig, als den Ökostrom in Ausland zu kaufen. Deutscher Ökostrom kommt zum überwiegenden Teil aus Skandinavien, Österreich und der Schweiz. Der Ursprung des Stroms aus regenerativen Quellen wird über sogenannte Herkunftsnachweise bestätigt.

    Der Gesetzgeber verlangt nur diese Herkunftsnachweise für Ökostrom. Das heißt: Auch ein Stromversorger mit vorwiegend atomaren oder fossilen Stromangebot kann einen „Naturstrom“ anbieten, wenn er genügend Nachweise kauft. Nachhaltig ist das nicht, denn es ändert nichts daran, wie der Strom in Deutschland produziert wird. Andere Anbieter nutzen hingegen ihre Einnahmen, um in nachhaltige Energieerzeugung zu investieren. Wer wirklich etwas für die Umwelt tun will, sollte deshalb auf von unabhängigen Stellen zertifizierte Ökostrom-Tarife setzen.

    Ökostrom vom eigenen Dach
    Kosten

    Ist Ökostrom teurer als herkömmlicher Strom?

    Die Herstellungskosten (Gestehungskosten) von Strom sind von vielen Faktoren abhängig, vor allem aber vom Verfahren, das zur Stromerzeugung eingesetzt wird. Bei Kohlestrom z.B. sind die Kraftwerke zum großen Teil abgeschrieben, hier fallen vor allem die Rohstoffkosten ins Gewicht. Bei Windparks hingegen ist der Rohstoff (der Wind) kostenlos, dafür sind die Investitionskosten in den Neubau hoch.

    Neben dem Gestehungs- und den Vertriebskosten, die ca. ein Viertel des Strompreises für die Verbraucher ausmachen, fallen noch Nutzungsgebühren für die Stromnetze und den Abrechnungsservice sowie Steuern, Abgaben und Umlagen an. Der überwiegende Anteil des Strompreises ist also für alle Stromarten konstant, daher unterscheidet sich der Preis für Ökostrom auch kaum von dem für Graustrom. Eine Auswertung der Daten von 1.200 Stromlieferanten hat ergeben, dass Ökostrom im Jahr 2021 im Schnitt rund 1 Cent pro kWh weniger kostete als in der Grundversorgung.

    Wer seinen Ökostrom selbst mit der heimischen PV-Anlage erzeugt, kommt sogar noch wesentlich günstiger. Auf die gesamte Lebensdauer der Solarmodule bezogen, liegen die Gestehungskosten bei ca. 10 Cent pro kWh und teilweise auch deutlich darunter.

    Ökostrom-Label

    Woran erkennt man „echten“ oder „guten“ Ökostrom?

    Im deutschen Markt haben sich mehrere Ökostrom-Siegel etabliert, die unterschiedliche Aspekte der Stromerzeugung in Blick haben.

    Grüner Strom ist ein Label, das von Eurosolar (Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien), dem BUND (Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland) und dem NABU (Naturschutzbund Deutschland) initiiert wurde. Es gilt als ältestes und strengstes Ökostromsiegel in Deutschland. Das Grüner-Strom-Label erhalten nur Anbieter, die 100 % erneuerbare Energien nutzen und darüber hinaus von jeder verkauften kWh 0,1 bis 0,5 Cent in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Zudem müssen Neuanlagen naturverträglich gebaut werden. Auch darf der Anbieter keine Anteile an Atom- und Kohlekraftwerken besitzen.

    Das Label ok Power von Energievision bescheinigt dem Anbieter bzw. seinem Stromtarif neben 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien (Solar-, Wasser- oder Windenergie, Biomasse oder Geothermie) auch einen fairen Umgang mit Verbrauchern. Das Label können nur Stromanbieter erhalten, die keine Anteile an Atom- und Kohlekraftanlagen besitzen und den Ausbau erneuerbarer Energien aktiv fördern.

    Der TÜV Süd zertifiziert Ökostrom mit den Siegeln EE01 und EE02. Das EE01-Siegel bescheinigt, dass der Stromanbieter den Preisaufschlag für den Ökostrom zum überwiegenden Teil nachweislich in den Bau neuer Erneuerbare-Energien-Anlagen investieren. Für das EE02-Zertifikat muss der Stromanbieter jederzeit genau so viel grünen Strom anbieten, wie seine Kunden verbrauchen.

    Mit dem Zertifikat Energiewendeunternehmen (EWU) bietet der TÜV SÜD Energieversorgern darüber hinaus die Möglichkeit, auf ihren besonderen Einsatz für den Ausbau und die Integration von erneuerbaren Energien hinzuweisen. Folgende Kritierien muss das Unternehmen erfüllen:

    • Überdurchschnittlicher Status Quo bei der Erzeugung und Lieferung von Erneuerbaren Energien
    • Erhöhung des Anteils an Erneuerbaren Energien
    • Senkung des Rohstoff- und Energieverbrauchs
    • Flexibilisierung des Energieversorgungssystems

    Während die meisten Siegel von gemeinnützigen Vereinen vergeben werden, steht hinter dem Label RenewablePLUS die Bischoff & Ditze Energy GmbH aus Hamburg, ein Händler für Herkunftszertifikate. Mit dem Label werden Investitionen in den Ausbau der Erneuerbaren Energien bestätigt - in komplett neue Anlagen oder in den Ausbau und die Erweiterung bestehender Anlagen. Auch Investitionen in ökologische Maßnahmen im Rahmen der Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien können getätigt werden.

    EKOenergy ist ein internationales Non-profit-Umweltzeichen für Energie, das von einem Netzwerk an Umweltorganisationen vergeben wird. Die mit dem Label ausgezeichnete Energie erfüllt zusätzlich Nachhaltigkeitskriterien hinsichtlich des Aufstellungsorts der Photovoltaik und über die Einnahmen werden Projekte zur Bekämpfung von Energiearmut finanziert.

    Ökostrom vom Dach
    Ökostrom-Vergleich

    Ist Ökostrom gleich Ökostrom?

     

    Strom aus erneuerbaren Energien ist Strom aus fossilen Energieträgern immer vorzuziehen. Dennoch gibt es einige Unterschiede zwischen den verschiedenen Quellen.

    Als wichtige Kriterien zur Bewertung der Vor- und Nachteile der einzelnen erneuerbaren Energien gelten:

    • CO₂-Emissionen
    • Nachhaltigkeit
    • Rückstande
    • Recycling

    CO₂-Emissionen

    Grundsätzlich sind alle Arten der Stromerzeugung kritisch zu betrachten, die mit Verbrennungsprozessen verbunden sind, denn dabei entsteht immer CO₂. Das betrifft zum Beispiel auch die Stromproduktion aus Holz, Biogas und ähnlichen Energieträgern. Bei diesen erneuerbaren Energien geht man davon aus, dass bei der Verstromung nur so viel CO₂ freigesetzt wird, wie zuvor gebunden wurde. 
    Bei genauer Betrachtung trifft dieses Kriterium auch für fossile Brennstoffe zu, allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Das in Öl, Kohle oder Erdgas gebundene Kohlendioxid entstammt einem sehr langen Zeitraum und wird bei Verbrennung quasi schlagartig freigesetzt wird. Deshalb führt die Nutzung fossiler Brennstoffe zu einer deutlichen Erhöhung des CO₂ in der Atmosphäre, wohingegen Biogas & Co. als CO₂-neutral betrachtet werden können.

    Nachhaltigkeit

    Allgemein gelten alle erneuerbaren Energien als nachhaltig, doch gibt es auch hierbei Begrenzungen. Ein populäres Beispiel ist der Biosprit. Wenn großflächig Urwälder gerodet werden, um Mais, Soja oder Raps anzubauen, die dann in Kraftstoff verwandelt werden, hat das mit Nachhaltigkeit nicht viel zu tun. Auch dass die Nutzung für energetische Zwecke häufig in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht, ist ein Nachteil dieser Energieträger.

    Auf der anderen Seite sind alle Einrichtungen zur Stromgewinnung technische Produkte, die mit einem bestimmten Energieaufwand und aus bestimmten Materialien hergestellt werden. Windenergie gilt z.B. energetisch als die nachhaltigste Energieform, da die zur Herstellung der Windräder benötigte Energie bereits in wenigen Monaten wieder eingespielt wird. Bei der Photovoltaik geht man von 1 bis 2 Jahren bis zur energetischen Amortisation der Anlage aus. Hinsichtlich der eingesetzten Stoffe stellt vor allem die beim Einsatz volatiler Ressourcen notwendige Energiespeicherung eine Herausforderung dar, denn hier kommen Materialien wie Kobalt oder Lithium zum Einsatz, die teilweise unter kritikwürdigen Bedingungen gefördert werden.

    Rückstände

    Die Erzeugung von Ökostrom sollte idealerweise keine Rückstände hinterlassen, doch das trifft auch nur für einen Teil der erneuerbaren Energien zu. So kann Holz bei einer nachhaltigen Bewirtschaftung zwar als regenerative Energiequelle betrachtet werden, bei der Verbrennung entstehen jedoch Kohlendioxid und Asche. Unabhängig davon ist das Material häufig auch einfach zu wertvoll, um es im großen Stil zu verbrennen.

    Die Stromerzeugung aus Biogas hat einen großen Vorteil: Die Ausgangsstoffe sind Rückstände aus der Landwirtschaft, die so oder so anfallen. Auf dem Wege der Vergärung zu Biogas können sie noch energetisch genutzt werden. Die Gärreste lassen sich zudem als Dünger oder für die Ethanolgewinnung nutzen. Ein Nachteil von Biogas besteht darin, dass es unter anderem Methan enthält, ein 25-mal stärkeren Klimagas als Kohlendioxid. Die Reaktoren zur Biogasgewinnung und -lagerung müssen also besonders dicht sein, soll die Ökobilanz am Ende stimmen. Beim Verbrennen entsteht zudem auch hier CO₂.

    Von den Befürwortern der Atomenergie wird gern auch Atomstrom als grün gepriesen, doch bei genauerer Betrachtung ist das pure Augenwischerei. Zwar wird bei den radioaktive Zerfallsreaktionen kein CO₂ freigesetzt, jedoch bleiben strahlende Rückstände zurück, die noch auf Jahrtausende gefährlich für Umwelt und Mensch sind. Die Lagerung dieser Rückstände z.B. in Bergwerken ist zwar möglich, aber teuer – Folgekosten, die auch spätere Generationen tragen müssen. Zudem gibt es keine absolute Sicherheit, dass der atomare Restmüll keinen Schaden mehr anrichtet. Wie auch, denn die Zeiträume, in denen von den Rückständen noch Gefahr ausgehen kann, liegen weit jenseits der Lebensspanne eines Menschen. Die Halbwertszeit des Ausgangsstoffs Uran 238 beträgt fast 4,5 Millionen Jahre, die vom Spaltprodukt Plutonium-239 mehr als 24.000 Jahre.

    Recycling

    In die Bewertung der verschiedenen erneuerbaren Energien muss auch die Recyclingfähigkeit der Stromspeicher und Anlagen zur Stromerzeugung einbezogen werden. So gibt es derzeit noch massive Probleme bei der Aufarbeitung alter Windrad-Rotoren. Und auch das Recycling von Solarmodulen ist eine komplexe Aufgabe, für die es bisher nur wenige spezialisierte Recyclinganlagen gibt, die zudem nur relativ geringe Entsorgungsmengen verarbeiten können. Hier wird es in den nächsten Jahren einiger Anstrengungen bedürfen, sinnvolle und nachhaltige Lösungen zu finden.

    Ökobilanz

    Ökostrom: Auf die Bilanz kommt es an

    Jede Form der Energiegewinnung geht einher mit Eingriffen in die Natur. Um fossile Brennstoffe zu gewinnen, werden Minen in die Erde getrieben oder Bohrungen gesetzt. Für die Nutzung der Wasserkraft, werden Flüsse angestaut und über Turbinen geleitet. Windkraftanlagen können Luftströmungen verändern und stellen eine potenzielle Gefahr für Vögel dar.

    Hinzu kommt: Alle Einrichtungen und Maschinen zur Stromerzeugung – Turbine, Reaktor, Photovoltaikmodul – werden unter Energieverbrauch hergestellt. Die benötigten Materialien werden im Bergbau gewonnen, von der chemischen Industrie erzeugt oder im Maschinenbau hergestellt. Auch dafür wird wieder Energie benötigt. Pauschale Aussagen über die „grünere“ oder „nachhaltigere“ Energie“ sind daher nur schwer zu treffen. Der sogenannte ökologische Fußabdruck macht die verschiedenen Arten der Stromerzeugung genauer miteinander vergleichbar.

    Einige Vorteile haben regenerativen Ressourcen für die Stromerzeugung gegenüber fossilen Energieträgern jedoch unbestreitbar:

    • Der Energiebedarf nach Fertigstellung ist minimal.
    • Die Energie kann vor Ort beim Verbraucher erzeugt werden.
    • Die Wartungskosten sind gering.
    • Der Eingriff in die Umwelt ist gering bis überschaubar.

    Fazit

    Es ist sinnvoll, als Verbraucher auf Ökostrom zu setzen. Um auch wirklich etwas für die Energiewende zu tun, empfiehlt es sich, auf Ökostrom mit dem entsprechenden Siegel zu setzen. Denn nur so ist sichergestellt, dass die Einnahmen aus dem Stromverkauf auch in den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien fließen.