Dynamischer Stromtarif: So funktioniert er und für wen er sich lohnt
Was ist ein dynamischer Stromtarif?
Ein dynamischer Stromtarif ist ein Stromliefervertrag, bei dem sich ein Teil des Arbeitspreises nach den aktuellen Preisen am Spotmarkt richtet. Steigt oder sinkt der Börsenstrompreis, verändert sich entsprechend auch der Preis für den in diesem Zeitraum verbrauchten Strom. Seit der Umstellung des europäischen Day-Ahead-Markts im Oktober 2025 werden Börsenpreise auch in 15-Minuten-Intervallen gebildet.
Damit der Verbrauch den jeweiligen Preisintervallen zugeordnet werden kann, ist ein intelligentes Messsystem erforderlich. Es besteht aus einem digitalen Stromzähler und einem Smart-Meter-Gateway, über das die Messwerte sicher übermittelt werden. Der aktuelle oder für den Folgetag bekannte Strompreis lässt sich je nach Anbieter beispielsweise über eine App abrufen.
Gut zu wissen: Dynamisch ist dabei nur ein Teil des Strompreises. Netzentgelte, Steuern, Umlagen sowie Grund- und Anbietergebühren kommen weiterhin hinzu. Wie sich der Gesamtpreis zusammensetzt und wie die Abrechnung funktioniert, erklären wir in den folgenden Abschnitten.
Für wen lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Ein dynamischer Stromtarif lohnt sich vor allem, wenn ein größerer Teil des Stromverbrauchs in günstige Zeiten verschoben werden kann. Entscheidend ist also, wie viele Kilowattstunden flexibel genutzt werden und ob die Steuerung automatisch erfolgt.
| Haushaltsprofil | Stromverbrauch | Verschiebbare Last | Steuerung | Eignung |
| E-Auto, Wärmepumpe und Stromspeicher | hoch | hoch | Energiemanagementsystem | sehr gut |
| E-Auto mit regelmäßigem Laden zu Hause oder steuerbare Wärmepumpe | mittel bis hoch | mittel bis hoch | automatisch oder per App | gut |
| PV-Anlage mit Speicher oder steuerbaren Großverbrauchern | mittel bis hoch | mittel | teilweise oder vollständig automatisch | gut |
| PV-Anlage ohne Speicher und ohne steuerbare Großverbraucher | mittel | gering | überwiegend manuell | bedingt |
| Haushalt ohne größere flexible Verbraucher | niedrig bis mittel | gering | keine | eher ungeeignet |
| Kein intelligentes Messsystem vorhanden | unabhängig davon | unabhängig davon | - | derzeit nicht nutzbar |
Die Bewertung dient als erste Orientierung. Wie hoch eine mögliche Ersparnis ausfällt, hängt zusätzlich vom gewählten Tarif, den Börsenpreisen, dem Grundpreis, den Anbietergebühren und den Kosten des Messstellenbetriebs ab.
Besonders viel Spielraum bieten ein E-Auto, eine Wärmepumpe mit thermischem Speicher und ein Stromspeicher. Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler lassen sich zwar auch zeitlich verschieben, aber ihr Anteil am Gesamtverbrauch ist vergleichsweise gering.
Wann lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?
Gute Voraussetzungen haben Haushalte, die regelmäßig größere Strommengen aus dem Netz beziehen und den Zeitpunkt dieses Bezugs verschieben können. Das gilt beispielsweise, wenn das E-Auto überwiegend zu Hause geladen wird, eine Wärmepumpe Wärme zwischenspeichern kann oder ein Batteriespeicher gezielt bei niedrigen Preisen Netzstrom aufnimmt.
Wann lohnt sich ein dynamischer Stromtarif nicht?
Weniger geeignet ist das Modell für Haushalte mit geringem Stromverbrauch und ohne größere steuerbare Verbraucher. Auch wer einen konstanten Strompreis bevorzugt oder seinen Verbrauch nicht an schwankende Preise anpassen möchte, ist mit einem Festpreistarif häufig besser beraten.

Wie funktioniert ein dynamischer Stromtarif?
Bei einem dynamischen Stromtarif verändert sich der verbrauchsabhängige Arbeitspreis mit dem kurzfristigen Börsenstrompreis. Viele Tarife orientieren sich dafür an den Preisen des Day-Ahead-Markts. Dort wird bereits am Vortag festgelegt, wie viel eine Kilowattstunde in jedem 15-Minuten-Intervall des folgenden Tages kostet. Kunden können diese Preise meist über eine App oder ein Onlineportal einsehen.
Ein intelligentes Messsystem erfasst, wie viel Strom der Haushalt in den einzelnen Zeitintervallen aus dem Netz bezieht. Für die Abrechnung wird der gemessene Verbrauch anschließend dem jeweils gültigen Tarifpreis zugeordnet. Wer sein E-Auto, seine Wärmepumpe oder seinen Stromspeicher gezielt in günstigen Intervallen nutzt, kann dadurch seine durchschnittlichen Stromkosten senken.
Der Börsenstrompreis ist allerdings nur ein Bestandteil des Arbeitspreises. Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Anbieteraufschläge kommen hinzu. Ein niedriger Börsenpreis bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der gesamte Strompreis entsprechend niedrig oder sogar negativ ist.
Termin- und Spotmarkt kurz erklärt
Auf dem Terminmarkt wird Strom Monate oder Jahre im Voraus gehandelt. Energieversorger können sich dadurch gegen starke Preisschwankungen absichern.
Für dynamische Stromtarife ist vor allem der Spotmarkt relevant. Am Day-Ahead-Markt entstehen die Preise für die einzelnen 15-Minuten-Intervalle des folgenden Tages. Im Intraday-Handel können Strommengen anschließend noch kurzfristig angepasst werden. Je nach Tarif werden diese Börsenpreise ganz oder teilweise an die Kunden weitergegeben.
Zu welcher Tageszeit ist Strom am günstigsten?

Vor- und Nachteile dynamischer Stromtarife
Ein dynamischer Stromtarif bietet die Chance, von niedrigen Börsenpreisen zu profitieren. Dafür tragen Verbraucher aber auch einen größeren Teil des Preisrisikos. Ob die Vorteile überwiegen, hängt vor allem davon ab, wie viel Strom zeitlich verschoben werden kann, welche Technik vorhanden ist und welche Kosten der Anbieter berechnet.
| Vorteile | Nachteile |
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Kurz gesagt: Ein dynamischer Stromtarif ist vor allem dann vorteilhaft, wenn größere Verbraucher flexibel und möglichst automatisch gesteuert werden können. Wer dagegen planbare Stromkosten bevorzugt, nur wenig Strom verbraucht oder keine Lasten verschieben kann, ist mit einem Festpreistarif häufig besser beraten.
Wie setzt sich der dynamische Strompreis zusammen?

Bei einem dynamischen Stromtarif besteht die Rechnung aus einem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis und einem festen Grundpreis. Hinzukommen können separate Kosten für das intelligente Messsystem.
Der Arbeitspreis enthält den kurzfristigen Börsenstrompreis sowie Netzentgelte, Steuern, Umlagen und mögliche Anbieteraufschläge. Dynamisch verändert sich in erster Linie der an den Börsenpreis gekoppelte Anteil. Der Grundpreis und die Kosten des Messstellenbetriebs sind dagegen grundsätzlich nicht vom aktuellen Börsenpreis abhängig.
| Preisbestandteil | Was ist enthalten? | Verändert sich dynamisch? |
| Börsenstrompreis | kurzfristige Kosten der Strombeschaffung | ja, je nach Tarif beispielsweise alle 15 Minuten |
| Anbieteraufschlag | Beschaffung, Vertrieb, Service und Marge | meist vertraglich festgelegt |
| Netzentgelte | Nutzung und Betrieb der Stromnetze | in der Regel nicht mit dem Börsenpreis |
| Steuern, Abgaben und Umlagen | unter anderem Stromsteuer, Konzessionsabgabe und gesetzliche Umlagen | gesetzlich beziehungsweise regulatorisch festgelegt |
| Umsatzsteuer | prozentual auf die steuerpflichtigen Preisbestandteile | verändert sich mit dem Rechnungsbetrag |
| Grundpreis | feste monatliche Kosten des Tarifs | nein |
| Messstellenbetrieb | Betrieb des intelligenten Messsystems | grundsätzlich nicht börsenpreisabhängig |
Welche Kosten ein Anbieter genau auflistet, ist individuell. Prüfen Sie deshalb, ob es sich nur um den Börsenpreis oder bereits um den vollständigen Arbeitspreis handelt.
Negative Strompreise: Bekommt man Geld fürs Stromverbrauchen?
Negative Strompreise entstehen, wenn am Strommarkt zeitweise mehr Energie angeboten als nachgefragt wird, etwa bei hoher Wind- oder Solarstromerzeugung und gleichzeitig niedrigem Verbrauch.
Für Haushalte bedeutet ein negativer Börsenpreis jedoch nicht automatisch kostenlosen Strom oder eine Auszahlung. Zum Börsenpreis kommen weiterhin Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Anbietergebühren hinzu. Erst wenn der negative Börsenpreis diese zusätzlichen Kosten vollständig übersteigt und der Tarif ihn ohne Begrenzung weitergibt, kann auch der Arbeitspreis für den Kunden negativ werden.
Ein vereinfachtes Beispiel: Liegen die übrigen verbrauchsabhängigen Preisbestandteile bei insgesamt 18 ct/kWh, müsste der weitergegebene Börsenpreis unter -18 ct/kWh beziehungsweise -180 Euro/MWh fallen, damit der Arbeitspreis rechnerisch unter null sinkt. Die tatsächliche Schwelle unterscheidet sich je nach Tarif, Netzgebiet und Preisformel des Anbieters.
Voraussetzungen: Was Sie für einen dynamischen Stromtarif brauchen
Die wichtigste technische Voraussetzung für einen dynamischen Stromtarif ist ein intelligentes Messsystem. Darüber hinaus benötigen Sie einen passenden Stromliefervertrag und Zugang zu den jeweils geltenden Preisen. Um günstige Zeitfenster tatsächlich auszunutzen, sollten größere Verbraucher außerdem zeitlich steuerbar sein.
Checkliste:
- Ein intelligentes Messsystem erfasst den Stromverbrauch in den erforderlichen Zeitintervallen und übermittelt die Messwerte.
- Der gewählte Tarif gibt kurzfristige Börsenpreise tatsächlich weiter – beispielsweise im 15-Minuten-Takt.
- Eine App oder ein Onlineportal zeigt die Preise rechtzeitig vor dem Verbrauch an.
- E-Auto, Wärmepumpe oder Stromspeicher lassen sich manuell, per App oder automatisch steuern.
- Grundpreis, Anbieteraufschläge und Messkosten sind transparent ausgewiesen.
- Der Tarif besitzt eine kurze Kündigungsfrist, falls er nicht zum eigenen Verbrauchsprofil passt.
Davon zwingend erforderlich sind das intelligente Messsystem und ein entsprechender Liefervertrag. Die automatische Steuerung ist keine gesetzliche Voraussetzung, erhöht aber die Chance, günstige Preisintervalle regelmäßig zu nutzen.
Intelligentes Messsystem: Einbau und Kosten
Ein intelligentes Messsystem, auch Smart Meter genannt, besteht aus einem digitalen Stromzähler und einem Smart-Meter-Gateway. Erst das Gateway ermöglicht die sichere Übermittlung der Messwerte. Ein rein digitaler Zähler ohne Gateway reicht für einen echten dynamischen Stromtarif daher nicht aus.
Wer ist für den Einbau zuständig?
Für den Einbau ist der Messstellenbetreiber zuständig, in der Regel der örtliche Netzbetreiber. Zu den gesetzlichen Pflichteinbaufällen gehören unter anderem Haushalte mit mehr als 6.000 kWh Jahresverbrauch sowie Haushalte mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Auch Betreiber einer Erzeugungsanlage mit mehr als 7 kW installierter Leistung werden schrittweise einbezogen.
Und wenn ich noch keinen Smart Meter habe?
Wer noch nicht unter den verpflichtenden Einbau fällt, kann ein intelligentes Messsystem vorzeitig beim Messstellenbetreiber beauftragen. Das Messstellenbetriebsgesetz sieht für diese Zusatzleistung grundsätzlich eine Umsetzungsfrist von vier Monaten vor. Ob der Einbau am konkreten Zählerplatz ohne weitere Arbeiten möglich ist, sollte vorab geklärt werden.
Wie teuer ist ein Smart-Meter-Einbau?
Für Einbau und Betrieb gelten gesetzliche Preisobergrenzen. Bei einem Pflichteinbau liegen sie für private Verbraucher abhängig vom Verbrauch und Anwendungsfall derzeit meist zwischen 40 und 140 Euro pro Jahr. Für Haushalte bis einschließlich 6.000 kWh beträgt die Preisobergrenze 30 Euro jährlich. Zusätzliche Arbeiten am Zählerschrank sind darin nicht enthalten.
Mehr erfahren: Ausführliche Informationen zu Technik, Datenschutz, Einbau und Kosten finden Sie in unserem Ratgeber zum intelligenten Messsystem (Smart Meter).
Energiemanagement: Dynamische Stromtarife automatisch nutzen
Ein dynamischer Stromtarif lässt sich auch manuell nutzen. Dafür müssen Sie die Preise regelmäßig prüfen und den Betrieb flexibler Geräte selbst planen. Ein Energiemanagementsystem übernimmt diese Aufgabe automatisch: Es verknüpft die aktuellen Tarifpreise mit dem Energiebedarf des Haushalts und steuert angeschlossene Verbraucher in möglichst günstigen Zeitfenstern.
Der SOLARWATT Manager kann dabei Photovoltaikanlage, Stromspeicher, Wallbox und kompatible Wärmepumpen gemeinsam berücksichtigen. Hinterlegte dynamische Tarife bilden die Grundlage für die tägliche Planung. Neben direkt angebundenen Tarifen lassen sich auch individuelle Preisbestandteile und zeitvariable Tarifzonen hinterlegen.

Je nach Ausstattung kann der Manager beispielsweise:
- das Elektroauto bis zur gewünschten Abfahrtszeit möglichst günstig laden,
- den Betrieb einer kompatiblen Wärmepumpe in geeignete Preisfenster verschieben,
- günstigen Netzstrom zum Laden eines Batteriespeichers nutzen,
- Solarstrom vorrangig selbst verbrauchen oder speichern,
- das Entladen des Speichers verhindern, während ein Großverbraucher günstigen Netzstrom nutzt.
Besonders wichtig ist das Zusammenspiel von dynamischem Tarif und Photovoltaik. Ein niedriger Netzstrompreis bedeutet nicht automatisch, dass Netzstrom die beste Energiequelle ist. Steht eigener Solarstrom zur Verfügung, sollte das System dessen Nutzung, die Speicherreserve, den erwarteten Verbrauch und die Preise der kommenden Stunden gemeinsam bewerten.
Anbieter dynamischer Stromtarife: Worauf beim Vergleich achten?
Dynamische Stromtarife werden sowohl von spezialisierten Digitalanbietern als auch von großen Energieversorgern angeboten. Dazu gehören beispielsweise Tibber, Rabot Energy, Ostrom, EnBW, E.ON, EWE und Vattenfall.
| Anbieterbeispiele | Tarifmerkmal |
| Tibber | 15-Minuten-Abrechnung mit Smart Meter, App und Funktionen zur automatischen Verbrauchssteuerung |
| Rabot Energy | dynamischer Tarif mit 15-Minuten-Preisen; je nach Produkt auch mit Preisabsicherung |
| Ostrom | dynamischer Tarif bei verfügbaren 15-Minuten-Verbrauchsdaten und Einbindung in das Solarwatt-Energiemanagement |
| EnBW | dynamischer Tarif mit Smart-Meter-Unterstützung und eigener App zur Preis- und Verbrauchsanzeige |
| E.ON, EWE und Vattenfall | dynamische Angebote großer Energieversorger mit Smart Meter und täglicher Preisvorschau; Konditionen unterscheiden sich nach Angebot und Region |
| Stand: August 2026 | |
Die Übersicht ist keine Rangliste und stellt keinen Test oder Testsieger fest.
Prüfen Sie die aktuellen Konditionen immer für Ihre Postleitzahl und vergleichen Sie die erwarteten Gesamtkosten anhand Ihres eigenen Verbrauchsprofils.
Achten Sie bei einem Vergleich dynamischer Stromtarife besonders auf:
- Abrechnungstakt: Wird der tatsächliche Verbrauch mit den jeweiligen 15-Minuten-Preisen verrechnet oder nur ein Monatsdurchschnitt berechnet?
- Preisbestandteile: Welche Aufschläge kommen zum Börsenpreis hinzu und sind Netzentgelte, Steuern und Umlagen bereits enthalten?
- Grund- und Servicegebühr: Welche festen monatlichen Kosten fallen unabhängig vom Verbrauch an?
- Smart Meter: Muss das intelligente Messsystem bereits vorhanden sein oder unterstützt der Anbieter den Einbau?
- Automatisierung: Lassen sich Wallbox, Wärmepumpe, Stromspeicher oder ein vorhandenes Energiemanagementsystem einbinden?
Dynamischer Stromtarif mit Tibber und Solarwatt
Solarwatt bietet einen dynamischen Stromtarif in Zusammenarbeit mit Tibber an. Die Preise des Folgetages werden in der SOLARWATT Home App dargestellt. In Verbindung mit dem SOLARWATT Manager können angeschlossene Verbraucher und Speicher automatisch nach Tarifpreis, Solarstromerzeugung und Energiebedarf gesteuert werden.
Informieren Sie sich hier über den dynamischen Stromtarif von Solarwatt und Tibber.
Dynamisch, variabel und fester Stromtarif im Vergleich
Nicht jeder flexible Stromtarif ist ein dynamischer Stromtarif. Entscheidend ist, wie häufig sich der Arbeitspreis ändert und woran die Änderung gekoppelt ist. Ein echter dynamischer Tarif bildet die kurzfristigen Preisschwankungen am Spotmarkt in den jeweiligen Abrechnungsintervallen ab. Variable oder zeitvariable Tarife arbeiten dagegen häufig mit monatlichen Durchschnittspreisen oder vorab festgelegten Preisstufen.
| Merkmal | Dynamischer Stromtarif | Zeitvariabler Stromtarif | Monatlich variabler Stromtarif | Festpreistarif |
| Arbeitspreis | folgt kurzfristig dem Börsenstrompreis | feste Preise für festgelegte Zeitfenster | wird regelmäßig neu festgesetzt | vertraglich festgelegt beziehungsweise teilweise preisgarantiert |
| Preisänderung | beispielsweise alle 15 Minuten | etwa nach Tag-/Nachtzeit oder festem Tarifplan | meist einmal pro Monat | nur bei zulässiger Preisanpassung |
| Bezug zum Spotmarkt | direkte Kopplung | nicht zwingend | häufig Monatsmittel oder anderer Referenzwert | keine unmittelbare Weitergabe |
| Preis vorab bekannt | in der Regel für den Folgetag | für die festgelegten Zeitfenster | für den jeweiligen Abrechnungsmonat | für den vereinbarten Zeitraum |
| Intelligentes Messsystem nötig | ja | abhängig von Tarif und Messkonzept | normalerweise nein | nein |
| Preisrisiko | vergleichsweise hoch | begrenzt und besser planbar | mittelfristige Schwankungen | vergleichsweise niedrig |
| Verbrauchssteuerung sinnvoll | möglichst automatisch | nach festen Uhrzeiten | innerhalb eines Monats ohne Preisvorteil | finanziell nicht erforderlich |
| Geeignet für | Haushalte mit großen flexiblen Verbrauchern | planbare Verbraucher wie Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung | Haushalte, die Marktentwicklungen teilweise mitgehen möchten | Haushalte mit Wunsch nach planbaren Kosten |
Rechenbeispiele: Wie viel können Sie mit einem dynamischen Stromtarif sparen?
Wie hoch die Ersparnis mit einem dynamischen Stromtarif ausfällt, lässt sich pauschal nicht bestimmen. Entscheidend sind der Jahresverbrauch und die Strommenge, die tatsächlich in günstigere Preisintervalle verschoben wird.
Die folgenden Beispiele sind Modellrechnungen. Wir nehmen an, dass der verlagerte Strom im Jahresdurchschnitt 8 ct/kWh günstiger bezogen wird als ohne zeitliche Steuerung.
Wichtig: Die tatsächliche Differenz kann je nach Börsenpreisen, Tarif, Jahreszeit und Verbrauchsprofil höher oder niedriger ausfallen.
| Anwendungsfall | Angenommener Jahresverbrauch | Davon verschiebbar | Angenommener Preisvorteil | Rechnerische Ersparnis |
| Elektroauto | 2.400 kWh | 1.680 kWh | 8 ct/kWh | 134 Euro/Jahr |
| Wärmepumpe | 4.000 kWh | 1.000 kWh | 8 ct/kWh | 80 Euro/Jahr |
| Stromspeicher mit Netzladung | 1.500 kWh Ladeenergie | abhängig vom Wirkungsgrad | siehe Beispiel | rund 74 Euro/Jahr |
| PV-Haushalt mit flexiblen Verbrauchern | 2.500 kWh Netzbezug | 800 kWh | 8 ct/kWh | 64 Euro/Jahr |
Aufgepasst: Die Werte zeigen ausschließlich den Effekt der zeitlichen Verbrauchsverlagerung. Ob der dynamische Tarif insgesamt günstiger als ein Festpreistarif ist, hängt zusätzlich von den jeweiligen Arbeitspreisen, Grundpreisen, Anbietergebühren und Messkosten ab.
Dynamischer Stromtarif mit Elektroauto
Ein Elektroauto bietet besonders viel Flexibilität, weil es häufig mehrere Stunden zu Hause steht und nicht sofort vollständig geladen werden muss.
Für das Beispiel nehmen wir eine Fahrleistung von 12.000 Kilometern und einen Stromverbrauch einschließlich Ladeverlusten von 20 kWh je 100 Kilometer an:
12.000 km × 20 kWh ÷ 100 km = 2.400 kWh Ladestrom pro Jahr
Können 70 Prozent davon automatisch in günstige Preisintervalle verschoben werden, sind 1.680 kWh flexibel. Bei einem durchschnittlichen Preisvorteil von 8 ct/kWh ergibt sich:
1.680 kWh × 0,08 Euro = 134,40 Euro Ersparnis pro Jahr
Der Vorteil fällt geringer aus, wenn das Fahrzeug häufig tagsüber an öffentlichen Ladesäulen geladen wird oder nach der Heimkehr sofort Strom benötigt.
Besonders gut funktioniert das Modell, wenn der gewünschte Ladezustand und die Abfahrtszeit hinterlegt werden und das Energiemanagement die günstigsten Ladeintervalle auswählt.
Dynamischer Stromtarif mit Wärmepumpe
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe hängt vom Wärmebedarf des Gebäudes und ihrer Effizienz ab. Ein grober Richtwert lässt sich berechnen, indem der jährliche Wärmebedarf durch die Jahresarbeitszahl geteilt wird.
Benötigt ein Gebäude zum Beispiel 14.000 kWh Wärme und erreicht die Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3,5, ergibt sich:
14.000 kWh Wärme ÷ 3,5 = 4.000 kWh Strom pro Jahr
Nicht der gesamte Verbrauch davon lässt sich frei verschieben: An kalten Tagen muss die Wärmeversorgung jederzeit gesichert bleiben.
Nehmen wir an, dass sich mithilfe des Gebäudes, einer Fußbodenheizung oder eines passend dimensionierten Pufferspeichers 25 Prozent des Verbrauchs in günstigere Intervalle verlagern lassen:
4.000 kWh × 25 Prozent = 1.000 kWh flexibel
Bei 8 ct/kWh Preisvorteil beträgt die rechnerische Ersparnis:
1.000 kWh × 0,08 Euro = 80 Euro pro Jahr
Die Wärmepumpe sollte nicht allein wegen niedriger Strompreise ineffizient betrieben oder unnötig hoch aufgeheizt werden. Entscheidend ist eine Steuerung, die Strompreis, Wärmebedarf und Effizienz gemeinsam berücksichtigt.
Dynamischer Stromtarif mit Stromspeicher
Ein Stromspeicher kann günstigen Netzstrom aufnehmen und später bereitstellen, wenn der Strompreis höher ist. Dabei entstehen jedoch Umwandlungs- und Speicherverluste. Auch beansprucht jeder zusätzliche Ladezyklus die Batterie.
Im Beispiel werden über das Jahr 1.500 kWh günstiger Netzstrom zu einem vollständigen Arbeitspreis von durchschnittlich 24 ct/kWh geladen.
Bei einem angenommenen Gesamtwirkungsgrad von 85 Prozent stehen später 1.275 kWh zur Verfügung:
1.500 kWh × 85 Prozent = 1.275 kWh nutzbarer Strom
Die Ladung kostet:
1.500 kWh × 0,24 Euro = 360 Euro
Ersetzt der gespeicherte Strom einen späteren Netzbezug zu durchschnittlich 34 ct/kWh, besitzt die bereitgestellte Energie einen rechnerischen Wert von:
1.275 kWh × 0,34 Euro = 433,50 Euro
Daraus ergibt sich ein Preisvorteil von rund 74 Euro pro Jahr; vor Berücksichtigung von Batterieverscheiß und möglichen zusätzlichen Gebühren.
Netzladung lohnt sich deshalb nur, wenn der Preisabstand groß genug ist, um Speicherverluste und Alterung auszugleichen.
Dynamischer Stromtarif mit Photovoltaik
Eine Photovoltaikanlage macht einen dynamischen Stromtarif nicht automatisch wirtschaftlicher. Im Sommer erzeugt sie besonders viel Strom, häufig aber genau dann, wenn auch der Börsenstrompreis niedrig ist. Der Haushalt bezieht in diesen günstigen Stunden deshalb möglicherweise nur wenig Strom aus dem Netz.
Ein Beispiel:
Nehmen wir für einen PV-Haushalt mit 2.500 kWh jährlichem Netzbezug an, dass 800 kWh auf günstige Zeiträume verlagert werden können. Dann sähe die Ersparnis so aus:
800 kWh × 0,08 Euro = 64 Euro Ersparnis pro Jahr
Was Studien zu möglichen Einsparungen zeigen?
Ein Gutachten des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft untersuchte drei Modellhaushalte für das erste Halbjahr 2024. Die berechnete Ersparnis durch Verbrauchsverlagerung reichte von rund 4 Euro bei geringem Verbrauch bis zu rund 65 Euro bei einem Haushalt mit Elektroauto.
Die Ergebnisse zeigen:
Entscheidend sind die tatsächlich verschiebbare Strommenge und die Gesamtkosten des Tarifs. Eine feste Ersparnis lässt sich nicht garantieren.
Häufige Fragen zu dynamischen Stromtarifen
Den besten dynamischen Stromtarif für alle Haushalte gibt es nicht. Entscheidend sind neben dem Börsenpreis der Grundpreis, Anbieteraufschläge, Messkosten, Kündigungsfrist und Möglichkeiten zur automatischen Steuerung. Vergleichen Sie deshalb die voraussichtlichen Gesamtkosten anhand Ihres Verbrauchsprofils und prüfen Sie, ob vorhandene Wallboxen, Wärmepumpen oder Speicher unterstützt werden.
Dynamische Stromtarife bieten keine Preisgarantie. Das bedeutet: Bei hohen Börsenpreisen kann der Arbeitspreis kurzfristig deutlich steigen. Eine Ersparnis ist deshalb nicht garantiert. Hinzu kommen die Kosten des intelligenten Messsystems sowie mögliche Grund- und Servicegebühren. Ohne flexible Großverbraucher oder automatische Steuerung fällt das Einsparpotenzial häufig gering aus.
Erforderlich sind ein Stromliefervertrag mit dynamischen Preisen und ein intelligentes Messsystem. Dieses besteht aus einem digitalen Stromzähler und einem Smart-Meter-Gateway, das die Messwerte übermittelt. Um günstige Preisintervalle wirksam zu nutzen, sollten größere Verbraucher wie E-Auto, Wärmepumpe oder Stromspeicher außerdem zeitlich steuerbar sein.
Einen einheitlichen aktuellen Preis gibt es nicht. Der Arbeitspreis verändert sich im Tagesverlauf und unterscheidet sich je nach Anbieter, Netzgebiet und Preisformel. Zum Börsenpreis kommen Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Anbietergebühren hinzu.
Als erste Orientierung: Aktuelle und historische Modellwerte veröffentlicht die Bundesnetzagentur auf SMARD.
Ein echter dynamischer Stromtarif setzt ein intelligentes Messsystem voraus, damit der Verbrauch den jeweiligen Preisintervallen zugeordnet werden kann. Angebote ohne Smart Meter rechnen häufig mit einem monatlichen Durchschnittspreis oder Standardlastprofil ab. Dabei handelt es sich um einen variablen, aber nicht um einen vollständig dynamisch abgerechneten Tarif.
Eine feste günstigste Uhrzeit gibt es nicht. Niedrige Börsenpreise treten häufig mittags bei hoher Solarstromerzeugung, nachts bei geringer Nachfrage oder während windreicher Stunden auf. Höhere Preise sind oft morgens und am frühen Abend zu beobachten. Maßgeblich ist jedoch immer die Preisvorschau für den jeweiligen Tag.
Ein negativer Börsenpreis bedeutet nicht automatisch, dass Haushalte Geld für den Stromverbrauch erhalten. Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Anbieteraufschläge fallen weiterhin an. Erst wenn der negative Börsenpreis diese Bestandteile vollständig übersteigt und der Anbieter ihn unbegrenzt weitergibt, kann auch der vollständige Arbeitspreis rechnerisch unter null sinken.
Dynamische Stromtarife schaffen einen finanziellen Anreiz, den Stromverbrauch in Zeiten mit einem hohen Angebot aus Wind- und Solarenergie zu verschieben. Dadurch lassen sich Erzeugung und Nachfrage zeitlich besser aufeinander abstimmen. Haushalte können von günstigen Börsenpreisen profitieren und zugleich dazu beitragen, Stromüberschüsse sinnvoll zu nutzen.


